Die Interviewsammlung "Refugee Voices"

Im Jahre 2002 beschloss die Association of Jewish Refugees, der Interessenverband der jüdischen Emigranten aus Mitteleuropa im Vereinigten Königreich, eine großangelegte Initiative zu unternehmen: das Projekt Refugee Voices: The AJR Audio-Visual Testimony Archive, eine digitalisierte Sammlung von 150 gefilmten Interviews mit ehemaligen Opfern des Nationalsozialismus, die in Großbritannien lebten. Im Jahre 2003 beauftragte die AJR Dr. Anthony Grenville und Dr. Bea Lewkowicz mit der Leitung des Projekts, welches 2008 fertiggestellt wurde. Alle Interviews wurden vollständig protokolliert; sowohl das Filmmaterial als auch die Protokolle wurden mit Timecodes versehen, um das Auffinden spezifischer Passagen zu erleichtern. Die Sammlung wurde auch mit einer großen Datenbank (44 Kategorien) versehen.

Die Interviews dauern durchschnittlich zwischen zweieinhalb und drei Stunden; insgesamt beinhaltet die Sammlung mehr als 400 Stunden Film und mehrere tausend Seiten Protokolle. Unter den InterviewpartnerInnen sind fast alle Kategorien der ehemaligen Opfer des Nationalsozialismus in Großbritannien vertreten. Es gibt Interviews mit Kindern, die mit den Kindertransportzügen einreisen durften, mit Frauen, die mit ‚domestic service visas‛ (Hausgehilfinnen) einwandern durften, mit Überlebenden aus den Lagern in Osteuropa, sowie mit selteneren Fällen, wie z.B. mit einem der aus Dänemark nach Schweden geretteten Juden aus Deutschland und mit einem der Emigranten, die auf dem Schiff St Louis den Atlantik durchkreuzten. Deshalb sind die Interviews für die meisten ForscherInnen auf diesem Gebiet von großem Wert. Die Sammlung wurde an verschiedenen Instituten deponiert, darunter die Freie Universität Berlin, das  Wiener Wiesenthal Institut und Yad Vashem in Jerusalem.

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Exil und Netzwerk. Potentiale einer neuen Forschungsperspektive

Die Forschung zum gewerkschaftlichen und politischen Exil zeichnete sich in den vergangenen Jahren einerseits durch ein individualbiografisches Vorgehen aus, das mit Blick auf die behandelten Personen, die zumeist höheren Leitungs- oder Organisationsgremien angehörten, sehr gute Ergebnisse hervorgebracht hat. Andererseits wurde die Geschichte des Exils zumeist mit einem größeren Fokus auf politische Strömungen oder bestimmte Gruppen geschrieben bzw. durch entsprechende Quelleneditionen überhaupt erst zugänglich gemacht. Aufbauend auf diesen wichtigen Vorarbeiten soll nunmehr verstärkt die Einbindung der Protagonisten in ihr Umfeld wie auch die personale Analyse und die Vorgeschichte desselben in den Blick genommen werden, wobei die Angehörigen der mittleren und unteren Funktionärsebene im Zentrum des Interesses stehen. [...]

Bei der Untersuchung von Exilphänomenen gilt es deswegen in Zukunft stärker den personalen Zusammenhang der handelnden Personen und die Einbettung derselben in ein spezifisches, politisch und/oder gewerkschaftlich determiniertes Umfeld zu berücksichtigen. Diese, hier unter den Begriffen Exil und Netzwerk zusammengefasste Herangehensweise kann dann (1.) aufzeigen, welchen Einfluss lokale bzw. regionale Prägungen auf die Entwicklung der Selbstorganisation haben konnten. Genauer geht es um die Frage, unter welchen Prämissen Netzwerke entstanden, wie effizient sie in veränderten Kontexten weiterarbeiten konnten und bis zu welchem Grad sie Bestand und Wirksamkeit hatten. Weiterhin kann diese Herangehensweise (2.) verdeutlichen, dass die damit zusammenhängenden Konflikte keineswegs eindimensional waren, sondern durch verschiedene, sich auch überlagernde Motivationen bestimmt wurden. Hierbei geht es vor allem um Fragen der Hierarchisierung von Zielen und Strategien zur Erreichung derselben. Und schließlich wird mit dieser Perspektivierung (3.) die Dimension der personalen Kontinuität und Dis-Kontinuität behandelt, die einerseits durch die politisch-gewerkschaftliche Vorgeschichte integriert wird. Andererseits verliefen Macht- und Verteilungskämpfe in der Exil-Selbstorganisation zweifelsohne unter der Prämisse des eigenen Lebensweges nach dem Ende des Nationalsozialismus. In dieser Hinsicht soll auch nach Bestand und Wirksamkeit dieser Netzwerke nach 1945 gefragt werden.


KONTAKT: Swen Steinberg M.A. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte der Technischen Universität Dresden, 01069 Dresden, 0351 / 463-39254 oder 463-35806, Swen.Steinberg@tu-dresden.de

Den kompletten Beitrag von Swen Steinberg finden Sie im Neuen Nachrichtenbrief

 

Sozialdemokratinnen und Gewerkschafterinnen im Londoner Exil und in der Remigration: Kontext und offene Fragen zu einem Forschungsprojekt

Bisher wurden in der Forschung zur Frauenpolitik nach 1945 nachkriegsspezifische  Netzwerke vernachlässigt. Auch in der Exilforschung haben Netzwerke  politisch tätiger Frauen wie Gewerkschafterinnen oder Parteipolitikerinnen bisher keine große Rolle gespielt. Im Jahr 2009 hat  sich die AG  „Frauen  im Exil“ der GfE mit ihrer Jahrestagung des Themas „Politik  – Parteiarbeit – Pazifismus in der Emigration“ angenommen, der Tagungsband ist soeben erschienen. Ausgehend von bereits geleisteten biographischen Studien ist es nun möglich, frauenpolitische Netzwerke im Exil und  in der Remigration stärker in den Blick zu nehmen.

[...]

Welche Bedeutung hatten Exil und Remigration für den internationalen  Transfer  von  Frauenpolitik? Wie wurde die Zusammenarbeit durch die Remigration und die internationale Zusammenarbeit nach 1945 fortgesetzt oder gebrochen? Um diese offenen Fragen zu den frauenpolitischen Netzwerken zu untersuchen, können biografische Annäherungen an  einzelne Protagonistinnen  mit der Analyse spezifischer Milieus und Politikfelder verbunden werden. Diese und andere Fragen, die bereits in meinem Aufsatz „‘Was hörst Du aus Deutschland?‘ Herta Gotthelf (1902-1963) – Redakteurin, (R-)Emigrantin, Frauensekretärin der  SPD“ (in:  Hiltrud  Häntzschel/Inge  Hansen-Schaberg,  vgl. S. 178 ff.) aufgeworfen wurden, sollen mit diesem Projekt untersucht werden. Für  Anregungen, Hinweise und jede Form von Gedankenaustausch wäre ich dankbar.
KONTAKT: Dr. des. Karin Gille-Linne, Fischerweg 7, 34346 Hann. Münden, 0 55 41 /  90 87 49 // Mail: karin.gille-linne@fernuni-hagen.de

Den kompletten Beitrag von Karin Gille-Linne finden Sie im Neuen Nachrichtenbrief

 

Deutsches Exilarchiv 1933-1945 und Sammlung Exil-Literatur der Deutschen Nationalbibliothek

Nachrichten aus den Exilsammlungen der Deutschen Nationalbibliothek sind hier nachzulesen.

 

DÖW - Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes

Die Mitteilungen des DÖW, die fünfmal jährlich über Aktivitäten des DÖW berichten und Serviceeinrichtungen wie Veranstaltungshinweise, Zeitschriftenschau, Rezensionen etc. beinhalten, können hier heruntergeladen werden. Die aktuelle Ausgabe  Nr. 215 - März 2014 finden Sie hier.

 

Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft

Die Info-Briefe der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft können hier heruntergeladen werden.

 

Erich Maria Remarque Gesellschaft e.V.

Einen Überblick über die aktuellen Veranstaltungen der Erich Maria Remarque Gesellschaft e.V. finden Sie hier.

 

International Feuchtwanger Society

Der  Online-Newsletter der International Feuchtwanger Society kann hier heruntergeladen werden.

 

Österreichische Exilbibliothek

Der Newsletter der Österreichischen Exilbibliothek, Wien kann hier heruntergeladen werden.

 

Österreichische Gesellschaft für Exilforschung

Wenn Sie den aktuellen Newsletter der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung per E-Mail zugeschickt bekommen möchten, senden Sie bitte eine kurze Nachricht an s.usaty@exilforschung.ac.at

 

Theodor Kramer Gesellschaft

Informationen über die aktuellen Veranstaltungen finden Sie hier. Wenn Sie per E-Mail über die Veranstaltungen informiert werden möchten, schicken Sie bitte eine kurze Nachricht an office(at)theodorkramer.at.

 

Walter-A.-Berendsohn-Forschungsstelle für Deutsche Exilliteratur

Der Newsletter "exilograph" der Walter-A.-Berendsohn-Forschungsstelle für Deutsche Exilliteratur am Institut für Germanistik II der Universität Hamburg kann hier heruntergeladen werden.

 

Zentrum für Antisemitismusforschung

Der Newsletter des ZfA der Technischen Universität Berlin kann hier heruntergeladen werden.